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Sir Edmund Race
von Skyman

Bilder vom SE Race

18.11.2018

Die Entstehungsgeschichte des Einseglers "Sir Edmund Race" ist ehrlich gesagt eine Geschichte zum Schmunzeln.
Die Entwicklung des normalen Einseglers "Sir Edmund" hat Markus Gründhammer viel Zeit und unzählige Prototypen gekostet. Nach eineinhalb Jahren harter Arbeit und zahlreichen Testflügen war der "Sir Edmund" fertig. Doch wer Markus Gründhammer kennt der weiß, seine Zufriedenheitsskala endet irgendwo jenseits der Milchstraße. Markus, sein junger Testpilot Johannes Tschofen und der Designer der Firma Skyman gehen also her und bauen für sich einen Einsegler mit einer Streckung von über 6. An eine Serie denkt zu diesem Zeitpunkt niemand. Es sollte nur ein Schirm für die drei und vielleicht noch eine Hand voll auserwählte Piloten werden. Der erste Proto fliegt aber mehr recht als schlecht. Aufgeben gibt es allerdings nicht. Nun wird gegrübelt. Woran kann es liegen. Das lässt dem alten Bastler Markus und seinem Team keine Ruhe. Ein neuer Prototyp muss her. Und siehe da, der Proto 2 fliegt schon ganz ordentlich. Nur vier weitere Prototypen und der "Sir Edmund Race" war fertig. Es blüht der Gedanke den Sir Edmund Race doch in Serie zu bauen. Der Flügel geht zur Musterprüfung und bekommt und der Größe 20m² bis 100 kg Startgewicht ein EN/LTF-B
Es ist fast unglaublich, selbst Normalschirme bekommen mit Streckung 6 nicht selten ein EN/LTF-C. Der Grundstein den Schirm in Serie zu bauen war gelegt.

Was haben der normale Sir Edmund und der Sir Edmund Race eigentlich gemeinsam?? Ehrlich gesagt, nicht sehr viel. Bereits beim Betrachten der technischen Daten fällt auf, dass die beiden deutliche Unterschiede aufweisen. Schon alleine in der Streckung liegt beim SE Race um 0,77 Punkte höher und das ist eine ganze Menge. Der Flügel kommt ohne belüftete Zellen aus, lediglich die Ohren sind noch belüftet.

Das Bodenhandling ist einfach. Die Stammleinen sind ummantelt, farblich getrennt und recht übersichtlich. Eine kleine Herausforderung sind die dünnen Tragegurte, hier ist eine sorgfältige Vorbereitung notwendig. Bei viel Wind bleibt das Segel nur ungern am Boden liegen. Falls es in der Nähe des auserwählten Startplatzes ein ruhiges Leeplätzchen gibt, ist das für die Startvorbereitungen durchaus vorteilhaft.

Der Start mit dem Sir Edmund Race ist bei passendem Wind recht unproblematisch. Zellen müssen bei Einseglern ja keine gefüllt werden. Der Race stellt sich bereits beim kleinsten Windhauch prall in den Wind. Schon der kleinste Impuls lässt den Flügel regelrecht in den Zenit schießen, dort lässt sich die leichte Kappe problemlos stabilisieren, erfordert aber, je nach Stärke des Impulses, bis zu 100% Bremse. Bei etwas Wind von vorne reicht es nur leicht an den vorderen Tragegurten zu ziehen. Bläst der Wind ordentlich gilt auch beim Race: Hände weg von den Bremsen. Der Flügel wird mit den hinteren Tragegurte am Boden gehalten. Bei passender Windrichtung braucht der Sir Edmund Race keine Führungsarbeit. Das Aufziehen erfolgt mit einem leichten Zug über das Gurtzeug und wird im Scheitelpunkt mit den hinteren Tragegurten angebremst. Eine Stabilisierung am Scheitelpunkt über die Bremse hat ein Aushebeln zur Folge. Steht der Flüge erst mal über dem Piloten, ist das Starkwindstartproblem schon gelöst.
Etwas kniffliger wird der Start bei Seitenwind. Der Sir Edmund Race schlägt gerne mal die Ohren über den Schirm und hat beim Aufziehen auch nicht ganz die Spurtreue des normalen Sir Edmund. Eine recht einfache Möglichkeit solche Situationen in den Griff zu bekommen ist: Man rafft den Flügel zu einer Rosette und legt ihn seitlich, mit dem windabgewandten Seite nach oben auf den Boden. Mit leichtem Zug an dieser nach oben liegenden Seite lässt der Race sehr gut aufstellen. Man nennt sowas auch Kobrastart. Dann in Flugrichtung ausrichten und los geht`s.

Flug: Wer schon mit dem normalen Sir Edmund unterwegs war, dem wird der Unterschied zum Race gleich auffallen. Durch die doch relativ hohe Streckung ist das System doch deutlich ruhiger und nicht so quirlig wie beim Sir Edmund. Dafür ist aber auch die Gleitleistung entschieden besser und auch die Geschwindigkeit mit gut 38 km/h bei voller Belastung höher wie beim Sir Edmund. Wird der Flügel beschleunigt, legt er etwa 5 hm/h zu, wird aber ziemlich unruhig. Der Sir Edmund Race fliegt sich schon fast wie ein normaler Gleitschirm. Wenn auch nicht so dynamisch wie der Sir Edmund, in der Thermik lässt sich der wendige SE Race extrem einfach und mit wenig Bremse flach in der Thermik drehen. Durch die überaus gute Kommunikation des Flügels mit dem Piloten, lassen sich aufsteigende Luftmassen sehr gut finden und zentrieren. Die Steigleistung ist für einen 20m² Flügel schon mehr als genial. Die Umsetzung der Steuerbefehle erfolgt ohne Verzögerung und absolut präzise. Erstaunlich hoch ist die Rolldämpfung. Dies ist auch bei recht turbulenten Verhältnissen deutlich spürbar. Natürlich spürt man jeden Heber und jeden Entlaster besser wie beim Normalschirm, aber nicht so extrem wie beim Sir Edmund. Gerät man mit dem SE Race in sinkende Luftmassen, hat man dasselbe Problem wie mit allen anderen Einseglern auch, es geht schneller bergab wie mit dem Normalschirm.

Bei der Landung kann man mit dem SE Race zwar leicht ausflaren, grundsätzlich muss man aber sagen, dass man den Strömungsabriss erst knapp über dem Boden einleiten soll, besonders bei Nullwindlandungen ist der Zeitpunkt des Stalls extrem wichtig.

Mit den Abstiegshilfen sollte man sparsam umgehen. Die Belastungstests hat der SE Race natürlich alle bestanden. Das filigrane Material ist jedoch nicht für dauerhaft hohe Belastungen konzipiert. Da die A und B Ebene auf dem vorderen Tragegurt hängen ist das Ohrenanlegen schwierig. Die Ohren schlagen recht heftig und die Sinkgeschwindigkeit nur geringfügig zu.
Der B-Stall ist möglich. Der B-Tragegurt führt allerdings nicht zu B- sondern zur C-Ebene. Es ist also eigentlich ein C-Stall. C-Stalls sind auch bei manchen Normalschirmen durchaus üblich. Da der Auftrieb an der C-Ebene nicht mehr so stark ist wie an der B-Ebene, geht dieser Stall relativ leicht zu ziehen. Der Strömungsabriss nach etwa 5 cm - 10 cm Zug ist weich. Dabei sollten man es auch belassen, denn zieht man die Tragegurte weiter herunter knickt der Flügel in der Mitte ab. An und für sich logisch, denn ein Schirm mit Doppelsegel bleibt im B-Stall gefüllt und wird dadurch auch ohne Vorwärtsfahrt in Spannweitenrichtung gestützt. Beim Einsegler fällt diese Stütze völlig weg. Bei 5 cm - 10 cm B-Stall ist die Sinkgeschwindigkeit auch nicht sonderlich hoch. Abgesehen davon, Markus Gründhammer rät von dieser Abstiegshilfe entschieden ab.
Bleibt also noch die Steilspirale. Diese funktioniert an sich recht gut. Das Ein und Ausleiten ist wie man es von Normalschirmen kennt. Die Aufrichttendenz in der Spirale ist relativ hoch, was bedeutet, dass man den Flügel in der Spirale ständig gut auf Zug halten muss, dann sind auch Sinkwerte im gut zweistelligen Bereich möglich.

Resümee: Auch wenn das Problem des höheren Sinkens im Abwind deutlich verbessert wurde, es bleibt immer noch ein Thema an dem eifrig gearbeitet wird. Der Sir Edmund Race fliegt zumindest bis heute in der ersten Liga unter den Einseglern. Zwar geringfügig schwerer wie der normale Sir Edmund, in der Leistung ist er ihm doch etwas überlegen. Diejenigen Piloten die das quirlige am Sir Edmund schätzen, werden dies beim Sir Edmund Race ein wenig vermissen. Andere, wie z.B. ich, die es gerne etwas gemütlicher bevorzugen, werden mit dem Flügel ihren Spaß haben. Der SE Race hat trotz der hohen Streckung von 6.01 in der Musterprüfung hervorragend mit einem EN/LTF-B abgeschlossen. Flugerfahrung sollte man trotzdem mitbringen. Für Wenigflieger oder Anfänger ist der SE Race nicht geeignet.

Weitere Infos sind auf der SE Race Seite von Skyman zu finden.